Funk-Headset: Jabra Evolve 2 65

Jabra Evolve2 65 Test

Auf der Suche nach der perfekten Lösung für’s Home Office

Nach verschiedenen Behelfslösungen während der Corona-Homeofficezeit wollte ich mir mit diesem Headset endlich die perfekte Lösung für Teams-Calls leisten. Die Bauform, die Specs und der erste Eindruck sind verlockend:

  • gleichzeitiges Pairing mit dem Handy
  • die LEDs, die den Kollegen zeigen, dass ich gerade in einem Call bin, finde ich extrem schick
  • in Notebooks eingebautes Bluetooth funktioniert oft extrem schlecht, daher war der hier mitgelieferte USB-Dongle für mich ein Muss. Funktioniert in der Praxis tatsächlich super: Plug&Play und ausreichend Reichweite.
  • Rückhör Feature, also, dass man sich selbst sprechen hört (über App einstell- und ausschaltbar). Sehr angenehm!
  • durch die kompakte Bauweise und die Tragtasche kann man es bequem zwischen Office und Homeoffice hin und her transportieren und damit überall denselben wireless Komfort genießen
  • Die Akkulaufzeit ist schier ewig. Ich schalte es untertags nicht aus, sondern hänge es neben den Monitor (siehe Bild). Oft vergesse ich dann am Abend es abzuschalten – es geht solcherart am nächsten Tag trotzdem noch. Ich muss es maximal 2x pro Woche aufladen, meistens nur ein mal.
  • die Tonqualität reicht auch zum Musikhören. Es sind keine Meister der luftigen Transparenz, aber halbwegs neutral und unaufdringlich.

Über diese Goodies hinaus gab es einige Dinge die mich dann doch störten:

  • Das Mikro ist rechts! Völlig ungewohnt, aber ok, daran könnte man sich gewöhnen
  • Die Materialien sind eher billig. Wenn ich das zB. mit meinem Audio Technica Kopfhörer um das exakt gleiche Geld vergleiche, wo schönes, weiches und vor allem kühles Velours verarbeitet ist, ist das schon ein krasser Unterschied
  • Die Kopfpolster liegen flächig am Ohr auf. Das dämmt zwar Geräusche ganz gut, ist aber auf Dauer echt unangenehm. Wird warm, aufgrund des Materials schwitzt man leicht und es drückt den Brillenbügel stark hinter’s Ohr.
  • Es gibt eine Erinnerungsfunktion, die einem regelmäßig sagen will, dass das Mikrofon gemutet ist. Klingt extrem spannend, hat jedoch bei mir nicht funktioniert. Ich war minutenlang auf Mute und das Ding hat keinen Mucks gemacht.

Als Showstopper haben sich dann zunächst die folgenden Punkte erwiesen:

  • Bei Computer Audio verschluckt das Headset die ersten 3 Sekunden. D.h. zB. ein youtube Video beginnt zu spielen und man hört 3 Sekunden lang nichts. Glauben Sie es mir: das ist sehr lange!
  • Der Bluetooth Dongle meldet dem Computer nicht, wenn das Headset nicht verbunden, also abgeschaltet ist. Das führt dazu, dass der Ton weiterhin an den Dongle geht, statt an zB. den Notebook Lautsprecher. Man hört also nichts und muss im System-Tray das Ausgabegerät händisch ändern. Das ist mir in den paar Tagen Nutzung mindestens zehn mal nervig aufgefallen. Bei dem normalen BT Dongle den ich hier herumliegen habe (LogiLink BT0015) funktioniert das problemlos automatisch.
  • Die Qualität des Mikrofones ist nachgerade eine Frechheit. Wie gesagt, ich habe während Corona viel ausprobiert und aus Interesse auch Vergleiche gemacht. Diese waren zunächst nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, daher rede ich dort auch so einen Unsinn, aber der Unterschied ist so dramatisch, dass ich ihn hiermit gerne mit Ihnen teile – siehe das Video anbei.

Dass das Shure SM86 und das beyerdynamic DT-297-PV (zusammen mit externem Audio Interface ca. 450EUR) um Welten besser klingen, kann man verschmerzen. Jedoch ist der Unterschied zu einem 30EUR(!) Logitech USB-Headset ebenfalls so eklatant, dass man sich fast etwas betrogen vorkommt.

Ich habe es spaßeshalber auch mal für Gesang ausprobiert. Das geht nicht nur schlecht, sondern gar nicht!: Mikrofon und Elektronik können nicht mit dem hohen Pegel umgehen und komprimieren darauf so verrückt, dass es klingt, als würde ein Betrunkener in eine Klomuschel grölen. Jede der anderen Lösungen konnte das besser.

Verdict:

hier muss ich etwas ausholen:

Ich habe das Evolve2 65 aus den obigen Gründen zurückgeschickt und mit verschiedenen “professionellen”, kabelgebundenen Lösungen (siehe Video) experimentiert. Im Endeffekt musste ich mehrerlei feststellen:

  • das Plus an Tonqualität einer solchen Profi-Lösung ist zwar dramatisch, aber, zumindest in MS Teams, so gut wie nicht hörbar. Es geht offenbar im Audio-Codec verloren. Jedenfalls konnten meine Gegenüber kaum einen Unterschied feststellen.
  • das Plus an Aufwand, also ein externes Audio-Interface, welches Platz braucht und aufgrund der Pegel-Regelung in Reichweite stehen muss…, ein dickes, schweres Kabel (viel, viel dicker als bei billigen Headsets), welches am Kopf zieht, bei Kopfdrehung spannt und wo die Überlänge am Tisch herumbaumelt… das ist es wirklich nicht wert!
  • das Plus an Komfort eines drahtlosen Headsets, inklusive Features wie Mute-durch-Mikrofonhochklappen ist einfach riesig! Ich kann während (mancher) Telcos Kochen, Essen, Zähneputzen und vor allem auch herumgehen, was oft sehr entspannend ist. Die Reichweite umfasst dabei sogar das andere Stockwerk.
  • die vergleichsweise schlechte Mikrofonqualität haben ALLE bluetoothbasiertern Headsets! Keine Ahnung warum, aber diverse youtube Reviews belegen das. Wiedergabe funktioniert mit Bluetooth wie mit einem Kabel. Sobald jedoch auch ein “Rückkanal” im Spiel ist, ist dessen Qualität mieserabel.

Ich wollte also zurück zu kabellos. Mittlerweile hatte Jabra auf meinen diesbezüglichen Amazon Review reagiert und mich angeschrieben, dass es sich bei der bemängelten Verzögerung um einen Bug handelt, welcher demnächst behoben wird. Das freut einerseits in der Sache, andererseits schätze ich es, wenn Firmen ihre Produkte pflegen und ihre Kunden ernst nehmen und Support leisten.

Ich habe das Headset also wieder bestellt, festgestellt, dass der Bug tatsächlich behoben ist und mich aufgrund der überwältigenden Vorteile einer solchen Lösung mit den Nachteilen angefreundet. Mittlerweile liebe ich es und möchte es nicht mehr hergeben. Wenn es einem das Geld wert ist, kann ich es wärmstens empfehlen.

2 thoughts on “Funk-Headset: Jabra Evolve 2 65

  1. Ich habe mit Interesse Ihren Test gelesen. Auch ich habe schon unzählige Headsets ausprobiert, auf der Suche nach der besten Lösung. Das Jabra Evolve 2 stand hierbei auch auf meiner Liste. Leider habe auch ich die Erfahrung mit der Verzögerung bei der Wiedergabe von PC-Audio, egal ob Youtube-Videos etc. gemacht und nach Ihrem Bericht ein wenig Hoffnung geschürrt, dass der Bug tatsächlich behoben sei. Trotz Update der Firmware auf die aktuellste Version besteht dieser leider weiterhin. Welche Firmeware-Version nutzen Sie oder hat es mit der generellen Produktionscharge bei Jabra zu tun und kann nicht durch ein Firmware-Update behoben werden?

    1. Hallo. Freut mich, dass Sie auf meine Seite gefunden haben!
      Wie sich herausstellt, ist Jabra sehr aktiv mit ihren Updates. Ich denke, dass es mindestens alle 2 Wochen ein Update entweder für das Headset, den USB-Dongle, oder die Windows Software gibt. Ich spiele jedes Update gleich ein, daher kann ich bezgl. Version nur sagen “latest”.
      Tatsächlich ist es so, dass es aktuell eine gewisse Verzögerung gibt. Diese ist jedoch viel geringer als damals. Eher vergleichbar mit einem “fade-in”. Ich habe es gerade noch einmal getestet und das Delay liegt im Bereich von unter einer Sekunde. Wenn man es nicht weiß, fällt es vielleicht gar nicht auf. Ich kann nicht beschwören, ob das auch zum damaligen Zeitpunkt so war, oder, ob es da wirklich auf Null war.
      Jedenfalls kann ich mit Überzeugung sagen, dass ich die Headsets seit dem ersten Lockdown fast täglich benutze und sie eine riesen Bereicherung für’s Homeoffice sind. Dabei lade ich sie meistens erst Freitags nach der Arbeit auf und komme die folgende Woche damit durch.
      Dass das Delay eine Frage der Hardware Revision ist, trau ich mich auszuschließen, da mein eigenes Paar ja ursprünglich das Problem hatte und es nun im besagt erträglichen Rahmen liegt.
      lg, Richard

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