Lenovo ThinkVision P32p-20 Monitor

ein weiteres Stück großartiger Hardware durch Software ruiniert

Ich wollte mir für’s Homeoffice und für den Privat-PC einen hübschen, fast rahmenlosen 32″, 4k Monitor gönnen. Der P32p-20 war gerade in Aktion, ich schätze die Marke Lenovo sehr und um den Preis war er außerdem ziemlich konkurenzlos. Und er passt mit je 2mm Spiel auf jeder Seite haargenau in meine Fenster-Nische.

Mein Setup

Mein ursprüngliches Setup hatte einen normalen, externen KVM-Switch. Dazu ein Netzteil für das Notebook und einen Port-Replikator, ebenfalls mit separatem Netzteil. All das erspare ich mir durch den neuen Monitor.

Die übrigen Kabel und Geräte, nachdem ich vom alten Setup auf das neue gewechselt habe. War zwar alles schön im Brüstungskanal versteckt, trotzdem gefällt mir das schlanke Setup wesentlich besser.

Wie erwähnt, ist die Hardware hier großartig, was heißt, dass der eingebaute USB-C Port 90W bei 20V leistet. Die meisten USB-C Ports geben nur 5V her, was nicht zum Laden von Notebooks reicht. Hier jedoch reicht ein einziger Anschluss für alle Verbindungen des Notebooks!

Das Bild

ich habe nicht die Mittel das Bild messtechnisch genau zu bewerten. Ich würde es jedoch als exzellent bezeichnen. Die technischen Daten und die werksseitige Kalibrierung versprechen zumindest eine gute Farbtreue. Was mich etwas irritiert ist, warum dann ab Werk der Farbmodus “reddish” (rötlich) eingestellt ist, wenn man doch eigentlich ein möglichst farb-exaktes Bild möchte.

Beachtlich ist die Helligkeit – das brennt einem regelrecht die Netzhaut weg. Ich habe sie aktuell auf nur 40% eingestellt!

Ein Phänomen, welches ich nicht einordnen kann ist diese Tiefenstaffelung, oder 3D-Effekt: es fällt öfters mal auf, dass weiße Elemente deutlich vor den dunklen Elementen “schweben”. Im Video erkennt man das eher schlecht. Viel deutlicher fällt auf, dass der rote Rahmen je nach Blickwinkel völlig verschwindet, weil er offenbar hinter den anderen Elementen liegt. Das Phänomen ist mir nicht neu, das ist mir immer wieder einmal irgendwo aufgefallen, aber hier halt besonders stark. Ich habe versucht herauszufinden, ob es einen Namen hat und, ob es tendenziell ein Mangel ist, aber das Netz gibt hier rein gar nichts her. Sollte jemand etwas darüber wissen – bitte sehr gerne um eine Nachricht in den Kommentaren.

Auflösung

die Hoffnung war, dass das Notebook über USB-C die vollen 4k ansteuern kann und, dass der PC, der mit der Intel Iris Grafik nur Full-HD kann, zumindest schön scharf dargestellt wird. Das erstere hat sich erfüllt, das zweitere leider nicht: mit Full-HD Einstellung ist das Bild verzerrt. Um ein scharfes Bild zu bekommen, muss man 1680×1050 einstellen. Das verstehe ich nicht, da das Seitenverhältnis von FullHD ja exakt 4k entspricht.

Die 4k Auflösung ist jedoch so toll, dass ich den Plan ohnehin schnell verworfen und eine Grafikkarte in den PC gebaut habe. Wenn man diese 4k erstmal hat, dann will man auch nicht mehr zurück. Und zwar weniger bei der Bearbeitung und dem Betrachten von Fotos, sondern vor allem bei der Darstellung von Schriften. Sogar das Arbeiten in Excel macht so richtig Spaß.

Das Scaling in Windows ist dabei mittlerweile sehr gut umgesetzt und lässt sich für die Full-HD Schirme rechts und links daneben separat einstellen.

Verarbeitung

das Ding ist hübsch anzusehen und auch im Detail gibt es wenig zu bemängeln. Der Zusammenbau, samt Ständer klappt problemlos, schnell und präzise. Die Tasten haben einen soliden Druckpunkt und sitzen wackelfrei im Gehäuse.

Der Spalt zwischen der unteren Leiste und dem “Glas” ist mir erst und auch nur bei der Fotosession aufgefallen. Er fällt auch nur deshalb auf, weil er zu den Rändern hin schmäler wird und dann ganz verschwindet. Über die restliche Breite ist er konstant.

Die Idee mit dem Handyständer ist ja ganz süß, wenn aber ein normales Handy (Xiaomi Mi 11) zu groß dafür ist, ist es etwas peinlich. Glücklicherweise verwende ich den Standfuß sowieso nicht.

Bedienung / Features / Firmware

wer vorhat, nur eine Quelle an den Monitor anzuschließen, kann diese Sektion getrost überspringen – ich bin mir sehr sicher, dass er mit diesem Bildschirm sehr, sehr zufrieden sein wird!

Wer, wie ich, jedoch die eingebaute und angepriesene KVM-Switch Funktion nutzen will, wird unter Umständen sehr enttäuscht.

KVM steht für Keyboard – Video – Mouse. Das ist hier schlicht nicht der Fall. Es ist ein USB-Umschalter zusätzlich zur Video-Quellenauswahl. Ein “KM-Switch” quasi.

Alle im Video beschriebenen Probleme wären mit wenigen Zeilen Code in der Firmware zu lösen. Man könnte das USB Ziel mit der Video Quelle konfigurierbar verknüpfen. Und die Schnapsidee, den KM-Switch ohne aktive Video Quelle einfach funktionslos zu machen… diesen Unfug zu beheben würde sogar Firmware Code sparen!
Stattdessen entblödet man sich nicht, völlig überflüssige Optionen wie “Button Repeat Rate” anzubieten.

Eine Besonderheit ist, dass der Monitor für den jeweils nicht-angezeigten Bildschirm eingangsseitig trotzdem aktiv ist. D.h. obwohl ich gerade auf PC “A” geschaltet habe, sieht PC “B” nach wie vor zwei aktive Monitore an seiner Grafikkarte. Für mich ist das ein Nachteil: so bleiben Fenster am Haupt-Bildschirm beim Umschalten unsichtbar. Das gewohnte und erwartete Verhalten wäre, dass dem Computer signalisiert wird, dass er nun statt zwei, nur einen Bildschirm hat und alle Fenster dort hin verschiebt.
Das ist per-se kein Mangel, eher sogar im Gegenteil: KVM Switches die so etwas können sind sogar meist teurer. Und für Linux User ist das meines Wissens sogar unbedingt nötig. Für mich ist es halt eher störend und damit einer Erwähnung wert.

Darüber hinaus verfügt der Monitor über einen 1GB/s Ethernet Anschluss. Wie zu erwarten war der zuständige Produktmanager auch hier betrunken im Dienst und hat das Ding so konzipiert, dass auch das Netzwerk hin- und her geschalten wird. Das macht die Funktion völlig nutzlos, denn man/ich will ja, dass der nicht-aktive PC trotzdem Netzwerk hat. Vielleicht läuft dort gerade ein copy-Job, ein Download, oder ich möchte einfach nur sehen/hören, wenn eine eMail eintrudelt. Solcherart geht das nicht. Himmel! So ein Netzwerkanschluss muss einfach beide Geräte gleichzeitig versorgen! Das kostet keinen Cent mehr.
Tatsächlich nutze ich den Netzwerkanschluss im Monitor daher nicht. Er ist für mich völlig nutzlos. Der Desktop hat weiterhin direkt angeschlossenes LAN und das Notebook halt nur WLAN.

Firmware Updates sind offensichtlich nicht vorgesehen. Weder gibt es welche zum Download, noch wäre irgendwo eine Update Prozedur beschrieben. Es ist also nicht einmal ein Bananenprodukt, welches beim Kunden reift, sondern es bleibt so grün, wie es ist.

Lenovo Support

Ich habe bei einem Philips Monitor in den Rezensionen gelesen, dass auch dort der KVM-Switch ein Usability-Drama ist. Daher hatte ich beim Lenovo Support nachgefragt, ob diese Implementierung vielleicht irgendeine Begründung hat. Wenn es eine erklärbare technische Limitierung wäre und nicht einfach nur Dummheit, würde es mich nicht so sehr stören. Der 1st Level Support hat das Problem zunächst nicht verstanden, der 2nd Level hat nach Fotos von den Kabeln gefragt um dann zu erklären, dass es keine Fehlfunktion gibt und, dass das mit Endgeräten die nicht von Lenovo sind, ohnehin nicht richtig funktionieren kann. Offenbar trinken bei Lenovo nicht nur die Produktmanager bei der Arbeit.

Verdict

Man muss sich nachgerade Mühe geben, einen Monitor qua Software zu ruinieren! Und ich bin da schon auch ein schwerer Fall. Es fällt mir wirklich schwer, ein Produkt in meinen vier Wänden zu betreiben, welches, wenn auch nur in scheinbar unwichtigen Details, so dermaßen hirnlos daher kommt. Mangels Alternativen habe ich ihn zähneknirschend behalten und erfreue mich an dem schlanken Setup das ich damit realisiert habe, dem tollen Bild und der Größe. Ein gewisser Frust bleibt.

Wie jedoch schon erwähnt, werden Menschen, die nur eine Quelle anschliessen, hingegen super zufrieden damit sein. So ziemlich alle beschriebenen Mängel und Kritikpunkte wären in diesem Fall hinfällig. Jenen kann ich eine dringende Kaufempfehlung aussprechen.

2 thoughts on “Lenovo ThinkVision P32p-20 Monitor

  1. Hi Richard,

    Thanks for your review. I translated it to English to read, so hopefully you can translate this if needed, though it seems likely you speak English as well.

    As it relates to the KVM issues, Lenovo supported told you that this feature does not work with non-Lenovo devices. Original text, “der 2nd Level hat nach Fotos von den Kabeln gefragt um dann zu erklären, dass es keine Fehlfunktion gibt und, dass das mit Endgeräten die nicht von Lenovo sind, ohnehin nicht richtig funktionieren kann.”

    It is my understanding that if I use 2 Lenovo devices, I will not encounter the same problems when using the KVM switching. Is this accurate from your perspective? I have a personal laptop and work laptop that are both Lenovo.

    Thanks again

    1. Hi. Thanks for your comment. Unfortunately: no. It was a sarcastic note of mine about the useless Lenovo support. Claiming that this would not occur with Lenovo devices is outrageous bullsh.. which shows that they didn’t understand the problem. The sequence of buttons to be pressed has nothing to do with the type or brand of device. (in fact, my private notebook is a Lenovo Thinkpad. Needless to say it doesn’t make a difference)
      They also claim that there is no malfuction which is sort of correct (I explicitly never claimed it is one! I just wanted an explanation of the behaviour) It’s safe to say: it works, just in a terribly awkward way.

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